Portrait

Handglocken finden sich in allen Kulturen der Menschheit, noch bevor es eine geschriebene Sprache gibt. In China etwa kann deren Existenz bis in 15. Jahrhundert vor Christus zurückverfolgt werden. Sie werden zum Beispiel auch im Alten Testament (Exodus) als Teil des hebräischen Gottesdienstes und in den Psalmen als „Zimbeln“ erwähnt. Im Basler Münster findet sich in den Schnitzereien des Chorgestühls aus dem 13. Jahrhundert gar ein Handglocken spielender Satyr.

 

Das Spiel mit englischen bzw. amerikanischen Handglocken ist eine Gruppenmusizierform, bei der jedes Ensemble-Mitglied zwei bis sechs Glocken bedient. Diese bestehen aus Messing und haben ein Gewicht von sieben Gramm bis sieben Kilogramm. Damit übte man im England des 18.Jahrhunderts das Wechsel- oder Taktläuten mit Kirchenglocken, das dort heute noch von den Kirchtürmen zu hören ist.

Bald wurden die Übungsinstrumente wegen ihrer berückenden Klangschönheit aber auch zum Konzertieren verwendet. Mitte des 19.Jahrhunderts liess eine amerikanische Konzertagentur ein Handglockenorchester aus England unter der Bezeichnung „Swiss Bell Ringers“ (!) in den USA auftreten, wo letztlich etwa 100 Jahre später eine eigentliche „Epidemie“ ausbrach, sodass heute jede höhere Schule oder Universität, die etwas auf sich hält, neben intensiv trainierten Sportmannschaften, Chören und Orchestern auch über Spielerteams mit Handglocken verfügt, die mit ihrem Können versuchen, die Teams von Konkurrenzschulen auszustechen und dabei auch oft auf ausgedehnte Konzertreisen gehen. Ebenso gehört hier zur Vollausbildung eines Kirchenmusikers nicht nur Chorleitung und Orgelspiel, sondern auch das Musizieren mit Handglocken-Ensembles von der Kinder- bis zur Seniorenformation.

Zurzeit gibt es in Amerika, Australien, Korea, Japan und England Tausende von so genannten Handbellchoirs („Handglockenchören“). Sie spielen neben von namhaften Komponisten eigens geschaffenen Musikstücken auch raffinierte Arrangements von Volksweisen, Traditionals, Pop und Jazz sowie Musik der klassischen Literatur.

 

 

Englische Handglocken in der Schweiz

Der Romanshorner Kirchenmusiker und Gymnasiallehrer Matthias Blumer gründete 1987 die erste derartige Musikformation in der Schweiz. Mit Konzertreisen im In- und Ausland, Fernseh- und Radioaufnahmen sowie Festivalbesuchen hat das Romanshorner Handglockenensemble den attraktiven Klang der „Stadt am Wasser“ schon vielerorts hörbar werden lassen. Auftritte finden in verschiedenstem Rahmen statt, so bei Hochzeits- und andern Gottesdiensten, Vereinsanlässen, Familienfeiern, Musikfestivals usw.

Dabei beschreitet das Ensemble immer wieder auch neue Wege bei Auftritten zum Beispiel mit verschiedensten Chören oder, weltweit erstmalig, mit Panflöten- und Alphornformationen.

Obwohl die Klangerzeugung bei diesen Handglocken nicht sehr schwierig ist, benötigt man als Ensemblemitglied eine grosse Konzentrationsfähigkeit, um zur richtigen Zeit die Töne des Stücks, für die man verantwortlich ist, einzuspielen. Verpasst man den richtigen Moment, entsteht derselbe Effekt, wie wenn bei einem Klavier eine Taste fehlen würde.

Zum Spielen hält man die Handgriffe so, dass die Glocken mit dem Klöppel nach oben gerichtet sind. Durch eine einfache Schwungtechnik wird der Klöppel sodann zum Anschlagen gebracht. Dann lässt man das Instrument der Notenlänge entsprechend klingen und dämpft es dann am Körper ab.

Statt in jeder Hand mit einer einzigen Glocke, also zwei verschiedenen Tönen zu spielen, gibt es immer wieder Spielerinnen oder Spieler, die sogar die Kunst des „Four-In-Hand“-Spiels beherrschen. Sie sind in der Lage, vier kleinere Glocken unabhängig voneinander gleichzeitig zu bedienen, je zwei in einer Hand.

 

 

 

Die Instrumente

Gespielt wird mit 73 Handglocken (Sechs Oktaven) der Firma Malmark (USA), die neben zwei- bis dreifach drehbaren Klöppeln mit unterschiedlichen Anschlagnuancen beim Läuten auch eine erstaunliche Zahl von Spieleffekten wie „Pizzikato“-Spiel, „Plucking“ genannt, Triller oder auch Dopplereffekte usw. ermöglichen.

Während die kleinste Glocke, deren Ton dem höchsten Ton eines Konzertflügels entspricht, nur wenige Gramm wiegt, erreicht die grösste den Umfang einer kleineren Kirchenglocke. Sie kann nur noch unter Aufbietung aller Kräfte von Hand geschwungen werden, obwohl sie, wie alle, aus einer relativ dünnwandigen, goldglänzenden Messing-Legierung besteht.

 

 

Junge Zuhörer

Wie die Erfahrung zeigt, vermögen gerade auch Kinder einem Handglockenkonzert fasziniert zu folgen, weshalb als fester Bestandteil solcher Konzerte immer eine Mitmachgelegenheit für sie eingebaut ist, das sogenannte Handglockenklavier.

 

Erste Schweizer Handglocken-CD

erhältlich bei

Matthias Blumer, Alte Landstrasse 16, CH-8590 Romanshorn
Tel.  ++41 71 463 39 21  mail:  matthias.blumer@bluewin.ch

Fr. 30.00  inkl. Porto und Verpackung. Direktverkauf bei Auftritten für Fr. 20.00