...eine Art lebendiges weißes Rauschen

Meine ersten Stücke entstanden beim Improvisieren am Klavier während meiner Schulzeit. Einiges davon habe ich dann aufgeschrieben und versucht, dem eine Form zu geben. Ich war zu dieser Zeit auch schon Organist, was mich angeregt hat, harmonische Zusammenhänge zu hinterfragen und polyphone Strukturen verstehen zu wollen. Erst während meines Mathematik-Studiums habe ich meine Freude am Chorsingen aus der Kindheit wieder aufgegriffen, bald eine Chorleiterausbildung gemacht und dann auch Ensembleleitung am Konservatorium der Stadt Wien studiert. Weitere Chorleitungskurse habe ich durch privaten Gesangs-, Klavier- und Dirigierunterricht ergänzt. Bald sind erste Chorstücke entstanden, z.B. auf Texte von R.M. Rilke, aber auch Songs mit eigenen Texten. Das Singen in großen Konzertchören hat mir die Oratorien- und Opernliteratur „von innen heraus“ bekannt gemacht. Singen in solistisch besetzten Acapella-Formationen hat zu zahlreichen anlassbezogenen Arrangements von Pop-, Swing-, Gospel- aber auch klassischen Stücken geführt. Vor einigen Jahren – und verstärkt durch die Pandemie – habe ich begonnen, mich mit mehrstimmiger, aber textungebundener Instrumentalmusik eingehend zu beschäftigen.

Trotz meiner mathematischen Ausbildung - oder vielleicht gerade als Gegensatz dazu - ist es mir wichtig, dass ich meine Musik innerlich höre und sie nicht bloß „konstruiert“ ist. Wenn ich beim Komponieren ins Stocken gerate, ist mir immer die wichtigste Richtschnur, wie ich das Stück innerlich weiterhöre. Auf der anderen Seite komme ich von der Ausbildung her ja vom Klavier und versuche, jedes Stück in verschiedenen Entwicklungsstufen am Klavier zu be-greifen. Dieser Check zwischendurch mit meinen Händen führt mich immer wieder zu überraschenden Lösungen.

Ich möchte die Hörerinnen und Hörer meiner Musik berühren. Ich möchte sie nicht ratlos oder nur „berieselt“ zurücklassen. Sie müssen nicht empfinden, was ich beim Entwickeln des Stücks empfunden habe – das wäre ohnehin illusorisch. Aber es soll doch etwas angestoßen, angerührt werden. Auch beim Arrangieren versuche ich, der Vorlage durch meine ganz persönliche Sicht darauf etwas Eigenes zu entlocken, vielleicht etwas Verstecktes hervorzuheben oder eine neue Linie dazuzupassen, in die sich die Leute einklinken können.

In jedem Fall sind sämtliche meiner Stücke als tonal zu bezeichnen, vieles wohl als „romantisch“. Harmonisch habe ich sicher Einschläge durch meine Befassung mit Popularmusik. Aus demselben Grund ist für mich ein guter Groove genauso eine legitime Grundlage für ein Stück wie eine interessante Melodie. Manchen meiner Stücke wurden Elemente der Minimal Music attestiert, weil ich gerne mit patterns arbeite oder diese als Ausgangspunkt nehme.

Was schön ist, ist natürlich über weite Strecken subjektiv. Dennoch ist doch alles, was einen Menschen berühren kann, etwas in ihm oder ihr zum Schwingen bringt, in gewisser Weise „schön“ – was wiederum stark vom Erfahrungshintergrund abhängt. Und Berührung geschieht, zumindest bei mir selbst, über eine interessante, aber „hörbare“ Melodie, oder überraschende und angereicherte harmonische Abläufe, die aber in sich konsistent sind, oder eben durch einen guten Groove. Und schließlich nicht zu vergessen: mir ist in meinen Stücken die formale Geschlossenheit und die Proportioniertheit aller Teile wichtig. Das ist wohl auch schön in einem sehr klassischen Sinn.

 

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