In Ungarn gelangte der Oberpfälzer Hans Koessler (Kößler) durch seine Tätigkeit als Professor für Orgelspiel und Kompositionen an der königlich ungarischen Musikakademie in Budapest als János Koessler zu großer Berühmtheit. Dass er in seiner Heimat fast völlig unbekannt geblieben ist, mag an dem Umstande gelegen haben, dass er mehr als drei Jahrzehnte seines Lebens in Ungarn verbrachte und dort das musikalische Schaffen eines ganzen Landes maßgeblich mit prägte. Er wurde auch in den Adelsstand erhoben. Die meisten Komponisten Ungarns von denen heute die Welt spricht gingen durch seine Schule, wie Bela Bartok, Ernst v. Dohnanyi, Erwin Lendvai, Fritz Reiner, Zoltan Kodaly und die Operettenkomponisten Emerich Kalman und Károly Stefanides. Geboren wurde Hans Kößler in der bayerischen Oberpfalz. Darüber schreibt er in seiner Selbstbiographie: „In Waldeck, im Fichtelgebirge, bin ich am 1. Januar 1853 geboren, also ein Sonntagskind. … Schon dem dreijährigen Kind wurde die Aufgabe zugewiesen, Aufseher, Pfleger und Wärter meiner nachgeborenen Geschwister zu sein. Fünfjährig wurde ich zum Dirigenten einer 20-köpfigen schnatternden Gänsetruppe ernannt. Nach einigen Jahren wurde mir die etwas schwierige Aufgabe anvertraut, Leiter eines Horntrios zu werden, zwei Kühen und einem Kalbe…“ Seine gründliche Ausbildung erhielt er bei Johann Gabriel Rheinberger (1839–1901) in Theorie und Komposition und bei Franz Wüllner (1832–1902) in Chorgesang. Letzterer holte ihn 1878 nach Dresden, wo er den Theorieuntericht und die Chorklasse am dortigen Konservatorium übernahm, nebenbei betreute er als Dirigent die legendäre Dresdener Liedertafel. Bei dem internationalen "Gesangswettstreit" im August 1880 in Köln hatte Kößler mit seinen Sängern solche Erfolge, dass der Kölner Theaterdirektor ihn als Chordirektor und Kapellmeister verpflichtete.