D’Albert war der Sohn des Ballettkomponisten Charles d’Albert (1809–1886), der in Schottland als Sohn eines französischen Vaters und einer englischen Mutter geboren wurde. Unter seinen Vorfahren befinden sich die italienischen Komponisten Giuseppe Matteo Alberti (1685–1751) und Domenico Alberti (um 1710–1740). D’Albert besaß bis 1918 die englische Staatsbürgerschaft und nahm dann die schweizerische an.[1] Er fühlte sich jedoch Deutschland verbunden, beherrschte die deutsche Sprache, vertonte ausschließlich deutsche Texte und bevorzugte die deutsche Form seines Vornamens.
Er erhielt Musikunterricht von seinem Vater, kam mit zehn Jahren an die New Music School in London und war dort Klavierschüler von Ernst Pauer, der von den pianistischen Fähigkeiten dieses Schülers beeindruckt war.
1881 lernte d’Albert Franz Liszt kennen, bei dem er in Weimar sein Klavierspiel vervollkommnete. Zahlreiche Konzertreisen schlossen sich an diese Ausbildung an, und d’Albert wurde besonders als Interpret der Werke Johann Sebastian Bachs und Ludwig van Beethovens berühmt. Sein teilweise recht willkürliches Spiel wurzelte noch ganz in der Virtuosentradition des 19. Jahrhunderts; seine Bach-Bearbeitungen wirken heutzutage antiquiert. Auch die ersten eigenen Kompositionen erschienen nun, darunter die Klaviersuite d-Moll op.1 (1883), sein erstes Klavierkonzert (1884), die Sinfonie F-Dur (1886) und das erste Streichquartett (1887). In dieser Zeit galt d’Albert als der bedeutendste Pianist der Gegenwart.[2] Regelmäßig trat er als Gastdozent und Solist bei Konzerten im Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatorium auf.
1893 wandte sich d’Albert mit dem Chorwerk Der Mensch und das Leben nach Otto Ludwig erstmals der Vokalmusik zu. Im selben Jahr wurde seine erste Oper Der Rubin nach Friedrich Hebbel uraufgeführt. Wie ihre Nachfolger Ghismonda (1895) und Gernot (1897) stand sie unter dem Einfluss Richard Wagners. Der heitere Einakter Die Abreise (1898) zeigte bereits eine eigene musikalische Sprache, doch der Durchbruch als Opernkomponist gelang erst mit Tiefland (1903), seiner meistgespielten Oper. Mit diesem Werk schuf d’Albert eine überzeugende deutsche Variante des italienischen Verismus, die auch sein weiteres Opernschaffen bestimmte.
D’Albert schrieb 21 Opern und vernachlässigte für diese Arbeit mehr und mehr sein Klavierspiel, doch konnte er den Tiefland-Erfolg nicht wiederholen. Unter den späteren Werken ragen Die toten Augen (1916) und Der Golem (1926) heraus; jedoch leiden die meisten seiner Musiktheaterwerke unter den Schwächen der Libretti. Wiederentdeckungen mancher Stücke wären jedoch wegen der musikalischen Qualitäten wünschenswert. D’Albert war sechsmal verheiratet, unter anderem mit der Sängerin Hermine Finck und der Pianistin und Komponistin Teresa Carreño, mit der er 1891 bis 1895 in der Villa Teresa in Kötitz bei Dresden lebte. Für die Scheidung von seiner sechsten Frau reiste d’Albert aus rechtlichen Gründen nach Riga, wo er 1932 starb. Er ist auf dem Friedhof von Morcote (Schweiz) begraben.