1958 in Rheine, Westfalen
Musikstudium Hochschule Detmold
Arbeitet als Pianist und Klavierlehrer in Basel, Schweiz und Weil am Rhein, Deutschland
2008 4 Lieder auf Texte von Christian Englert, Singstimme und Klavier
2013 Von Wüsten, Wäldern und Wellen, 12 Stücke für Schüler, Klavier
2013 Zwei Hommages à Ervin Nyiregyhazi für Klavier
www.stefanabels.de
Zu meinem Wettbewerbsstück:
War Frieden
Klavierstück von Stefan Abels (2014)
Der Titel ist doppeldeutig: einerseits bedeutet er „Es war Frieden“. Andererseits ist „War“ englisch Krieg. Es könnte sein, dass eines Tages die Imperfektform richtig sein wird („Frieden war einmal“)
Im Stück spielen rhythmische Codes eine Rolle: die Morsezeichen für IRINI (griechisch Frieden), INRI (lateinische Kreuzesinschrift auf Golgatha Jesus von Nazareth König der Juden), und KRIEG. Der Rhythmus von IRINI war vom Diabelli-Wettbewerb 2014/15 vorgegeben, die anderen sind von mir hinzugefügt.
Im ganzen Stück ist der Rhythmus drei gegen vier wichtig: das „passt“ nie ganz einfach, immer klingt er, wie wenn unvereinbares sich zusammenfindet, etwa wie ein Quadrat und der Kreis.
Frieden War
Die Hauptmelodie hat den IRINI- und INRI-Rhythmus. Die Stimmung ist eher flehend und gespannt. Allmählich wächst mit dem tiefen Akkord A–B–ES–A das bedrohliche Dunkel. Wie im ganzen Stück steht der Clusterakkord für Dunkel und Chaos.
War Krieg
Die Kriegs-Chaconne wiederholt mechanisch immer dieselbe Melodie mit dem Kriegs-Rhythmus. Hauptintervall dieses Teils ist der „diabolus in musica“, der Tritonus. Wie in der barocken Chaconne wird das Gleiche mit Neuem lebendig gemacht, aber ein gewisser maschinenhafter Zug führt in Zerstörung.
De Profundis
Aus den Tiefen rufe ich zu dir, Herr (Psalm 130). Dann unvermittelt der Friedensteil.
Frieden
In warmem, gelöstem A-Dur erklingt dieselbe Melodie wie im Präludium, aber nun frei schwebend zwischen unten und oben, im inneren Gleichgewicht und inneren Frieden. Die Spannung zwischen Krieg und Frieden jedoch bleibt bestehen. Die offene ruhige Quint beschliesst das Stück.
Zum musikalischen Material
Kein Takt ohne Tritonus bis Anfang von Profundis und kein Abschnitt ohne Tritonus bis zum „Frieden“
Der Weg vom Tritonus zur Quint geht von der Spannung zur Entspannung oder im extremen wie vom Krieg zum Frieden. Takt eins des ganzen Stückes enthält schon den Tritonus A – Es. Die allerletzten Takte bestehen nur noch aus der Quint A – E. Die Quint zeigt in vollkommenster Weise die harmonische Übereinstimmung des Verschiedenen. Die Proportion der Quint ist 2:3. Die vorherrschende rhythmische Proportion ist 3:4, das wäre intervallisch eine Quart. Zwischen Quart und Quint liegt wie auf des Messers Schneide oder wie ein gefährlicher Grat der Tritonus.
Die gregorianische Melodie „Dies Irae“ wurde oft vertont, zum Beispiel im Totentanz von Franz Liszt. „Zorn Gottes“, apokalyptische Zustände. Takt 47 vom 2. Teil (Krieg) ist eine Passage einer Art Danse macabre.
Cluster stehen für Geräusch und Chaos. Cluster, die klanglich gereinigt werden, zeigen musikalisch die Idee der Reinigung (Katharsis).
Dur und Moll haben die traditionelle Rolle (De Profundis: klagend in Moll, Frieden: von Moll in einen langen Durteil übergehend).
Die Melodien über den Irini- und Inri-Rhythmus benutzen einen Ausschnitt der sog. harmonischen Mollskala (beginnend von der 6. Stufe).
Die Widmung würdigt den grossen vergessenen Pianisten Ervin Nyiregyhazi (1903–1987), der mir mit seiner unkonventionellen unzeitgemässen Art viel Mut gemacht hat, meinen Weg zu verfolgen. Noch als pianistische Ruine hatte er etwas Titanisches.