Konrad Kocher (* 16. Dezember 1786 in Ditzingen; † 12. März 1872 in Stuttgart) war ein deutscher Musiker und Komponist, hauptsächlich von Kirchenmusik. Als Stiftsmusikdirektor und Stiftskirchenorganist in Stuttgart gehörte er zu seiner Zeit zu den herausragenden Kirchenmusikern in Württemberg. Lehrer und Ortspfarrer von Ditzingen erkannten früh die Begabung des Schülers und förderten ihn. Im Alter von vierzehn Jahren nahm er die Ausbildung zum Volksschullehrer auf. Bei seinem Lehrer Johannes Hahl erlernte er das Orgelspiel. 1801 wurde Kocher Hilfslehrer in Schönaich, 1803 Provisor in Esslingen. Unzufrieden mit seinem Hilfslehrerdasein, nahm er das Angebot zur Übernahme einer Hauslehrerstelle in St. Petersburg an. Von dort 1811 nach Württemberg zurückgekehrt, ließ er sich als Klavierlehrer in Stuttgart nieder und begann auch zu komponieren, unter anderem Klavier- und anspruchsvolle Orgelstücke sowie insgesamt vier Opern.
Als Anhänger des Schweizer Musikpädagogen Hans Georg Nägeli betrachtete Kocher den Gesang als wichtigen Bestandteil der Volksbildung. Seine Forderung nach der Einführung eines allgemeinen methodischen Gesangsunterrichts an den Schulen wurde im November 1823 per Verordnung der obersten Schulbehörde umgesetzt. 1824 beteiligte sich Kocher an der Gründung des Stuttgarter Liederkranzes. Einige Jahre lang war er ein sehr produktiver Komponist mehrstimmiger Chorlieder für die überall in Württemberg entstehenden Liederkränze.
Seit 1827 war Kocher Organist an der Stuttgarter Stiftskirche, der evangelischen Hauptkirche des Königreichs Württemberg. 1838 übernahm Kocher auch die Funktion des Stiftsmusikdirektors und avancierte endgültig zum anerkanntesten Kirchenmusiker Württembergs. Von Kochers Kompositionen werden heute nur noch wenige aufgeführt, darunter seine anspruchsvollen Orgelstücke sowie einige seiner Motetten.