Joseph Martin Kraus wurde am 20. Juni 1756 in Miltenberg als Sohn des kurmainzischen Beamten Joseph Bernhard Kraus und der Anna Dorothea, geb. Schmidt geboren. Die Familie des Vaters betrieb in Weilbach bei Amorbach eine Gastwirtschaft, die Mutter war eine Tochter des Miltenberger Baumeisters Johann Martin Schmitt.
Im Alter von 12 Jahren, 1768, kam Joseph Martin Kraus nach Mannheim, wo er das Jesuitengymnasium sowie das Musikseminar besuchte und besonders durch P. Alexander Keck (1724-1804) und P. Anton Klein (1748-1810) eine gute Ausbildung in Musik, Violinspiel, vor allem aber in lateinischer und deutscher Sprache erhielt. ...war Drey Jahr ... Hier unter meiner Auf-sicht, und in meiner Lehre, die Zierde der studirenden Jugend. Er Zeichnete sich durch Talent und Fleiß unter seinen Mitschühlern bey weitem aus. Er Hatte ein glückliches Gedächtniß, natürlichen Scharfsinn, und äusserte sehr frühzeitig gesunde Beurtheilungs Kraft und ästhätiges Gefühl. Dabey hatte er wahrhaft das Gemüth eines Engels...
Mit diesen Worten beurteilte P. Anton Klein in einem Brief an Kraus' Schwester Marianne vom 6. September 1800 seinen da-maligen Zögling. Im Mannheimer Jesuitengymnasium, das übrigens bald darauf nach der Auflö-sung des Jesuitenordens in ein weltliches Internat umgewandelt wurde, war sicherlich der Grundstein für Joseph Martin Kraus universale Bildung gelegt worden.
Es war wohl der Wunsch des Vaters gewesen, dass Joseph Martin Kraus sich zu Beginn des Jahres 1773 an der Universität Mainz immatrikulierte, um das Studium der Jurisprudenz aufzunehmen. Nur ein knappes Jahr weilte er in Mainz, zum einen, da ihm die Zustände an der dortigen Universität - wie er es in einer später veröffentlichten Satire darlegte - nicht zusagten, zum anderen, da er sich zunehmend der Musik zuwandte.
Diesbezüglich bot ihm sein neuer Studienort Erfurt, wo er sich im November 1773 einschrieb, mehr Möglichkeiten. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirchenmusik florierten in Erfurt, eine reiche musikalische Tradition zog den jungen Kraus in ihren Bann. Zwar setzte er sein rechtswissenschaftliches Studium hier fort, doch hat er in Erfurt erst eigentlich gelernt ... was ware Setzkunst heisse.
Ein Verleumdungsprozess gegen den Vater zwang Joseph Martin Kraus im November 1775 zu einer einjährigen Unterbrechung seines Studiums in Buchen, wo er seine Zeit damit verbrachte, dass er Hunde dressierte, seinen Tolon, ein Trauerspiel in drei Akten, verfasste und Kirchenmusik, die zur Aufführung in der Stadtkirche St. Oswald bestimmt war, komponierte.
Unter anderem entstand in diesem Jahr das Te Deum D-Dur, die Motette Fracto Demum Sacramento D-Dur, und zwei Oratorien Tod Jesu und Geburt Jesu. Während das erste erhalten blieb, hat sein früherer Lehrer Pfister vermutlich das zweite Oratorium später in eine Messe umgeschrieben.
Joseph Martin Kraus trat eine vierjährige Reise durch Europa an und hatte dabei auch Gelegenheit, seine Familie zu besuchen, die inzwischen wieder in Amorbach lebte.
Über Dresden, Leipzig und Erfurt kam er im Winter 1783 in den Odenwald, lernte hier u. a. P. Roman Hoff-stetter, Komponist und Musiker im Benediktinerkloster Amorbach, kennen, bevor er über Würzburg und Regensburg nach Wien gelangte, wo er bei einem etwa halbjährigen Aufenthalt Kaiser Joseph II., Christoph Willibald Gluck, Johann Georg Albrechtsberger, Fürst Nikolaus Esterhazy sowie Joseph Haydn auf Schloss Esterhaza kennen lernte. Vor allem Haydn war sehr angetan von Kraus und nannte ihn eines der größten Genies, das ich gekannt habe. Gluck wurde Kraus' großes Vorbild.
Die Weiterreise erfolgte über Triest und Venedig nach Bologna, wo Kraus mit P. Giovanni Battista Martini zusammentraf, der die Anfertigung seines Portraits durch Antonio Pomarolli veranlasste. Anfang Dezember 1783 traf Kraus mit König Gustav III. zusammen, in dessen Gefolge er nach Rom weiterreiste, Papst Pius VI. kennen lernte. Nach einem Abstecher in Neapel reiste das königliche Gefolge nach Paris, wo Kraus zwei Jahre lang blieb. Er nutzte die Gelegenheit, von Paris aus die Händel-Säkularfeiern 1785 in London zu besuchen, traf ein letztes Mal im August 1786 mit Eltern und Geschwistern in Amorbach zusammen, ehe er endgültig im Dezember nach Stockholm zurückkehrte.
Ein enormes Arbeitspensum erwartete Joseph Martin Kraus nach seiner Rückkehr: seine wichtigste Aufgabe war die Neuorganisation des Musik- und Theaterwesens, aber natürlich auch die Komposition und Aufführung eigener Werke, wie die anderer Komponisten. 1787 war er zum Ordinarie Capellmästare sowie zum Direktor der Königlichen Musikakademie ernannt worden.
Immer bedrohlicher wird für Kraus sein Gesundheitszustand, denn die Lungenschwindsucht, an der er seit Jahren leidet, schwächt ihn zusehends.
1792, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, erliegt Joseph Martin Kraus am 15. Dezember in Stockholm dieser Krankheit, nachdem wenige Monate zuvor, im März 1792 König Gustav III. während eines Maskenballes in seiner Anwesenheit lebensgefährlich verletzt wird. Kraus' letzte Werke waren die Trauersinfonie und die Trauerkantate, die anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für Gustav III. aufgeführt werden.
Kraus' eigener Wunsch war es, in der Nähe von Brunnsviken auf der Halbinsel Tivoli im Norden Stockholms beigesetzt zu werden, wo noch heute ein steinernes Denkmal an den Komponisten Joseph Martin Kraus erinnert. Es trägt die Aufschrift:
Hier ruht das Irdische von Kraus -
das Himmlische lebt in seinen Tönen
Sein kompositorisches Schaffen umfasst, neben den frühen kirchenmusikalischen Werken und der 1783 in Amorbach entstandenen Motette "Stella Coeli", eine ganze Reihe Opern, Bühnen- und Ballettmusiken, Lieder, Arien und Kantaten in deutscher, schwedischer, italienischer und französischer Sprache, Sinfonien und kammermusikalische Werke.