Dichter und Sänger des Stockholmer Rokoko, geboren 1740, gestorben 1795. Von bester bürgerlicher Herkunft, in einem bürgerlichen Beruf jedoch niemals angelangt, führte Bellman in den sechziger Jahren das Leben eines Bohémiens, die untersten Niederungen der verarmten, aber nichtsdestotrotz "außerordentlich durstigen" und sinnenfreudigen Stockholmer Mittel- und Unterschichten durchschreitend und besingend. Aus dem Munde seines Alter ego, Fredmans, des Uhrmachers ohne Uhr und Werkbank, läßt er seine saftigen Beschreibungen einer verdächtig lebensnahen Phantasiepersonnage erklingen.
Bellmans Lebenslauf wie sein Schaffen nahmen bedeutende Wendungen: ab 1772 avancierte er zum Günstling des jungen schwedischen Aufklärerkönigs Gustafs III. Zwar konnte Bellman in der folgenden Zeit sein finanziell krankendes Bohémien-Dasein nie so ganz ab- und auf feste Fundamente stellen, dennoch aber in den siebziger und achtziger Jahren gesittet überleben, seinen Stil verfeinern und schließlich, einigen Widrigkeiten zum Trotz, sogar rund einhundertfünfzig seiner schönsten Lieder im Druck veröffentlichen (zwei Liederbüchern mit rund 150 seiner schönsten "Episteln" (1790) und "Gesänge" (1791).
Dann aber, nach der Ermordung Gustafs III. durch eine von diesem politisch geplagte Adelsclique, wurde es auch für Bellman wieder wirtschaftlich enger. Die Schwindsucht packte ihn, und er starb mit 55 Jahren in Stockholm, das er zeit seines Lebens so gut wie nie verlassen hatte.