Tjark Baumann : Diabelli-Contest 2016
Bei meinen Gedanken um die Vertonung der Textvorlage war das Ziel zunächst eine Musiksprache zu wählen, die man heute vielleicht als Orff 2.0 bezeichnen würde; es sollte klingen wie eine Komposition von Carl Orff im 21. Jahrhundert, ohne jedoch den für jeden Komponisten eigenen individuellen Charakter zu vernachlässigen.
Die Textgrundlage des Wessobrunner Gebets in mittelhochdeutscher Sprache schien mir für dieses Vorhaben die geeignetste zu sein.
Formell zeigt das Gebet eine deutliche Dreiteiligkeit auf, welche in meiner Komposition durchweg Berücksichtigung findet. Daneben berichtet der Text durchweg von Dingen, die im "Masterplan" des Schöpfers bereits vorhanden, jedoch noch nicht geschaffen worden sind. Ich bezeichne es als Schöpfungs-apriori und nehme es neben der strukturformellen Vorlage als Grundlage für meine kompositorischen Überlegungen.
Zunächst berichtet ein nicht näher benanntes lyrisches ich vom "größten Wunder". Es folgt eine Aufzählung der Dinge, die der Allmächtige geplant hat, die jedoch noch gewissermaßen im Chaos steckenbleiben, noch nicht existent sind. Eine spannende Synthese und kompositorische Aufgabe, wie ich finde: Die musikalische Darstellung von etwas, was der Schöpfer aus dem Chaos heraus bereits geplant hat, und in der Erzählung schon existiert, jedoch noch nicht für den Menschen sichtbar gemacht wurde. Es ist quasi gleich einem Genom, welches bereits den Plan für das fertige Lebewesen beinhaltet, ohne zu verraten, was einmal daraus werden mag.
Zuletzt folgt die Erwähnung des Schöpfers, des allmächtigen Gottes, der von Anfang an mitsamt dem Plan für die Schöpfung da war, wiederum durch das lyrische Ich.
Die in der Textgrundlage auftretende grobformale Dreiteiligkeit ist in der Komposition aufgegriffen worden. Der erste Teil (T. 1-21) wird bestimmt durch eine stark Orff orientierte, rhythmisch im Wechsel in den Registern deklamierte Tonsprache, Akkordaneinanderreihungen, Homophonie. Auch in dieser Binnenstruktur ist die mystische Zahl 3 vorherrschend (z.B. zeigt T. 8 3 Ebenen, es sind 3 Einsätze bis zur Kulmination in Takt 11, der erste Teil wird von 3 Schlussrufen in den Männerstimmen beschlossen. Das lyrische ich zeigt damit gewissermassen eine musikalische Nähe zu Orff.
Der zweite Teil (T. 22-71) ist bestimmt von suchender, "unfertiger" Melodik, Harmonik und Kadenzierungen. Auch er zeigt wiederum eine Dreiteiligkeit. Zu Beginn tragen Frauenstimmen die Suche nach Erde und Himmel vor, eine kompositorische Anlehnung an die Motette "Warum ist das Licht gegeben" von J. Brahms.
Die Männerstimmen berichten zeitgleich von der Abwesenheit von Berg und Baum, den irdischen Dingen. Das Schöpfung-apriori zeigt sich jedoch im Schlussakkord, dem fast reinen C-Dur (ohne Grundton im Bass und nonverfremdet). Es stellt gewissermassen einen Ausblick vor, wie es einmal werden wird. Der zweite Teil des Mittelparts ist zerrissen: keine Sterne, die Orientierung bieten, keine Sonne, die Leben spendet. Folglich endet dieser Teil auch in einer harmonisch etwas angereicherten Klangballung, welche das vorherrschende Chaos symbolisieren soll.
Ganz anders der letzte Teil des (textlichen) Mittelparts (T. 72-122). Das unendliche Meer rauscht bereits im Chaos deutlich hörbar in der unendlichen Folge von Ebbe und Flut.
Zu Guter letzt nimmt der dritte Teil der Außenstruktur deutlichen Bezug zu Teil eins, sowohl textlich als auch kompositorisch. Das deklamatorisch aufsteigend mit der Quinn (d-a), Melodieverlauf, Rhythmik, Alles erinnert stark an das lyrische ich des ersten Teils, für mich wiederum eine ehrfurchtsvolle Verneigung vor Carl Orff. Das Vorhandensein des Schöpfers im großen Kosmos, des einen allmächtigen Gottes strahlen die kurz hintereinander hereinschwebenden Einwürfe in T. 86ff oder 110ff aus.
Die klangvollen, starken und säulenartigen Akkorde in T 94 sind sicherlich der Vorbildkomposition von C. Orff entlehnt...ein Ereignis!
Die etlichen Geister fliegen ab T 108 in den Sopranstimmen im Wechsel vorbei und finden ihre finale Bestimmung in Takt 110 in einem Akkord, der Schwebung, aber auch Schönheit und etwas Geheimnisvolles ausdrücken soll. Der Schlussteil ist dem textlichen Auftreten des Heilands gewidmet. Die Frauenstimmen erreichen wiederum das strahlend schöne und schöpferisch vollkommene C-Dur in Takt 119, jedoch zeigen die Männerstimmen darunterliegend weiterhin das Unvollkommene Moll.
Somit ertönen C-Dur als Schöpfung und C-Moll als das unvollkommene Chaos gleichzeitig! Nichtsdestotrotz soll der Ausblick, die Vorfreude auf die vollendete Schöpfung hier das beschließende Element bleiben, insofern folgt logischerweise ein kräftiger gemeinsamer Schluss im vollendeten C-Dur auf dem "Heiland".
Die Textgrundlage des Wessobrunner Gebets in mittelhochdeutscher Sprache schien mir für dieses Vorhaben die geeignetste zu sein.
Formell zeigt das Gebet eine deutliche Dreiteiligkeit auf, welche in meiner Komposition durchweg Berücksichtigung findet. Daneben berichtet der Text durchweg von Dingen, die im "Masterplan" des Schöpfers bereits vorhanden, jedoch noch nicht geschaffen worden sind. Ich bezeichne es als Schöpfungs-apriori und nehme es neben der strukturformellen Vorlage als Grundlage für meine kompositorischen Überlegungen.
Zunächst berichtet ein nicht näher benanntes lyrisches ich vom "größten Wunder". Es folgt eine Aufzählung der Dinge, die der Allmächtige geplant hat, die jedoch noch gewissermaßen im Chaos steckenbleiben, noch nicht existent sind. Eine spannende Synthese und kompositorische Aufgabe, wie ich finde: Die musikalische Darstellung von etwas, was der Schöpfer aus dem Chaos heraus bereits geplant hat, und in der Erzählung schon existiert, jedoch noch nicht für den Menschen sichtbar gemacht wurde. Es ist quasi gleich einem Genom, welches bereits den Plan für das fertige Lebewesen beinhaltet, ohne zu verraten, was einmal daraus werden mag.
Zuletzt folgt die Erwähnung des Schöpfers, des allmächtigen Gottes, der von Anfang an mitsamt dem Plan für die Schöpfung da war, wiederum durch das lyrische Ich.
Die in der Textgrundlage auftretende grobformale Dreiteiligkeit ist in der Komposition aufgegriffen worden. Der erste Teil (T. 1-21) wird bestimmt durch eine stark Orff orientierte, rhythmisch im Wechsel in den Registern deklamierte Tonsprache, Akkordaneinanderreihungen, Homophonie. Auch in dieser Binnenstruktur ist die mystische Zahl 3 vorherrschend (z.B. zeigt T. 8 3 Ebenen, es sind 3 Einsätze bis zur Kulmination in Takt 11, der erste Teil wird von 3 Schlussrufen in den Männerstimmen beschlossen. Das lyrische ich zeigt damit gewissermassen eine musikalische Nähe zu Orff.
Der zweite Teil (T. 22-71) ist bestimmt von suchender, "unfertiger" Melodik, Harmonik und Kadenzierungen. Auch er zeigt wiederum eine Dreiteiligkeit. Zu Beginn tragen Frauenstimmen die Suche nach Erde und Himmel vor, eine kompositorische Anlehnung an die Motette "Warum ist das Licht gegeben" von J. Brahms.
Die Männerstimmen berichten zeitgleich von der Abwesenheit von Berg und Baum, den irdischen Dingen. Das Schöpfung-apriori zeigt sich jedoch im Schlussakkord, dem fast reinen C-Dur (ohne Grundton im Bass und nonverfremdet). Es stellt gewissermassen einen Ausblick vor, wie es einmal werden wird. Der zweite Teil des Mittelparts ist zerrissen: keine Sterne, die Orientierung bieten, keine Sonne, die Leben spendet. Folglich endet dieser Teil auch in einer harmonisch etwas angereicherten Klangballung, welche das vorherrschende Chaos symbolisieren soll.
Ganz anders der letzte Teil des (textlichen) Mittelparts (T. 72-122). Das unendliche Meer rauscht bereits im Chaos deutlich hörbar in der unendlichen Folge von Ebbe und Flut.
Zu Guter letzt nimmt der dritte Teil der Außenstruktur deutlichen Bezug zu Teil eins, sowohl textlich als auch kompositorisch. Das deklamatorisch aufsteigend mit der Quinn (d-a), Melodieverlauf, Rhythmik, Alles erinnert stark an das lyrische ich des ersten Teils, für mich wiederum eine ehrfurchtsvolle Verneigung vor Carl Orff. Das Vorhandensein des Schöpfers im großen Kosmos, des einen allmächtigen Gottes strahlen die kurz hintereinander hereinschwebenden Einwürfe in T. 86ff oder 110ff aus.
Die klangvollen, starken und säulenartigen Akkorde in T 94 sind sicherlich der Vorbildkomposition von C. Orff entlehnt...ein Ereignis!
Die etlichen Geister fliegen ab T 108 in den Sopranstimmen im Wechsel vorbei und finden ihre finale Bestimmung in Takt 110 in einem Akkord, der Schwebung, aber auch Schönheit und etwas Geheimnisvolles ausdrücken soll. Der Schlussteil ist dem textlichen Auftreten des Heilands gewidmet. Die Frauenstimmen erreichen wiederum das strahlend schöne und schöpferisch vollkommene C-Dur in Takt 119, jedoch zeigen die Männerstimmen darunterliegend weiterhin das Unvollkommene Moll.
Somit ertönen C-Dur als Schöpfung und C-Moll als das unvollkommene Chaos gleichzeitig! Nichtsdestotrotz soll der Ausblick, die Vorfreude auf die vollendete Schöpfung hier das beschließende Element bleiben, insofern folgt logischerweise ein kräftiger gemeinsamer Schluss im vollendeten C-Dur auf dem "Heiland".
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| Época/Estilos: | Música viva |
| Tema: | Concurso |
| Categoría: | |
| Dificultad: | Fácil a mediana |
| Ejecución: | La ejecución de la obra es libre (GEMA, SUISA, AKM etc.) |
| Instrumentación: |
Coro mixto a capella
Coro>SSAATTBB
|
| Idioma del texto: | Latín |
| Número de páginas: | 8 |
| Contribución de: | TjarkBaumann |
| Visitas: | 9304 |



