Württembergischer Hofprediger, Prälat und Komponist. Als Sohn des Nürnberger Theologen Andreas Osiander ging er mit dem Vater 1548 nach Königsberg/Preußen. Hier begann er mit dem Studium, das er nach des Vaters Tod 1553 in Tübingen fortsetzen konnte. Er trat in den württembergischen Kirchendienst ein und bekleidete mehrere führende Positionen. Als Hofprediger und Konsistorialrat oblag ihm auch der Unterricht des noch minderjährigen Herzogs Ludwig. 1583 wurde er in Tübingen zum Dr. theol. promoviert. Beim späteren Herzog in Ungnade gefallen, musste er 1598 in die Reichsstadt Esslingen ausweichen, wo er, ohne ein Amt zu bekleiden, im dortigen Kirchenwesen tätig, das ihm aber nicht lutherisch genug war. Ein sich dadurch erhebender Kirchenstreit wurde erst 1603 durch Vermittlung württembergischer Kollegen beigelegt.
1586 gab er eine Liedersammlung u. a. mit eigenen Kompositionen heraus. Er erzielte mit dieser Sammlung einen kirchenmusikalischen Durchbruch, da er die Melodieführung vom Tenor in die Oberstimme übertrug. Durch diesen Kantionalsatz ermöglichte er der ganzen Gemeinde das Mitsingen und stellte vor allem die Rolle der Frauen mehr in den Vordergrund.