Hartmut Hecker : Härtling
Aus Härtlings Hölderlin-Roman:
„Der traurigste Anblick, den ich während meines hiesigen Aufenthaltes gehabt habe, war der von Hölderlin“, schreibt Schelling an Hegel. „Seit einer Reise nach Frankreich . . . ist er am Geist ganz zerrüttet, und obgleich noch einiger Arbeiten, z.B. des Übersetzens aus dem Griechischen bis zu einem Puncte fähig, doch übrigens in einer vollkommener Geistesabwesenheit. Sein Anblick war für mich erschütternd: er vernachlässigt sein Äußeres bis zum Ekelhaften und hat, da seine Reden weniger auf Verrrückung hindeuten, ganz die äußeren Manieren solcher, die in diesem Zustande sind, angenommen“. Hegel, der, wie Schelling, inzwischen Privatdozent in Jena war, solle doch erwägen, Hölderlin nach Jena zu holen, vielleicht fände sich eine Hofmeisterstelle. Man müßte Hölderlin jedoch „von Grund aus wieder aufbauen. Hätte man erst über sein Äußeres gesiegt, so wäre er nicht weiter zur Last, da er still und in sich gekehrt ist“. Hegel gibt vor, sich um die Angelegenheit zu kümmern, schreibt aber keine Zeile an Hölderlin.
In der Gaststube wird Sinclair von einem Herrn schon erwartet.
„Ich will nicht mehr mit Leuten zusammenkommen, ich will niemanden mehr kennenlernen. Es ist mir zuviel.“ Hölderlin sagt es so laut und heftig, daß ihn der Unbekannte hören muß. Sinclair nimmt ihn am Arm, zieht ihn mit sich. „Wolltest du nicht aus deiner Einsiedelei heraus, Hölder? Sollte ich dir nicht helfen?“
Der Mann stößt ihn ab.
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Interpret: Hecker, Hartmut
Hinzugefügt von: hacki
Hinzugefügt am: 06.04.2021
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