Nachdem ich im Kindesalter mit dem Cellospiel begonnen habe, habe ich als Erwachsener noch Querflöte und Violine gelernt und mache nun mit Begeisterung Kammermusik in unterschiedlichen Kombinationen - klassisch und nicht-klassisch. Ich unterrichte in Hamburg erwachsene Anfänger auf dem Violoncello.
Instrumentalunterricht für Erwachsene spielt meiner Erfahrung nach immer noch eine allzu geringe Rolle. Man kann den herkömmlichen, am Kind ausgerichteten Instrumentalunterricht nicht einfach auf Erwachsene übertragen. Sie haben andere Probleme, Anforderungen, Wünsche, aber auch andere Hemmungen, Denkmuster und Erwartungen. Und: sie haben - von Ausnahmen abgesehen - deutlich weniger Zeit zum Üben (Beruf, Familie, andere Hobbys, Ehrenämter, ...). Herkömmlicher Instrumentalunterricht kann daher nur selten funktionieren. Meine Alternative: Cello lernen "light"
Für meinen Violoncello-Unterricht mit erwachsenen Anfängern lautet das Motto: "Musik machen von Anfang an". Ich trenne nicht zwischen "Technik" und Musik. Der Spaß, die Freude am (gemeinsamen) Musizieren stehen stets im Vordergrund. Das Erlernen von "Technik" ist stets "gehorsamer Diener" dieses Zieles. Dafür schreibe ich u.a. kleine Cello-Duette, um mehr "Groove" in den Unterricht zu bringen. Die vorhandene Literatur ist oft doch eher kindgerecht und für Erwachsene nicht immer motivierend.
Ich versuche, den musikalischen Horizont über die "klassische" Literatur (Lee, Popper usw.) hinaus in verschiedene Richtungen zu erweitern - nicht zuletzt auch im Hinblick auf neue rhythmische Erfahrungen. Die Einbeziehung anderer Musik-Genres kann die Spielfreude fördern und neue Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks eröffnen. Mir ist es dabei wichtig, dass Schüler und Lehrer sehr viel zusammen Musik machen, und zwar beide auf dem Cello, denn das ist schliesslich das Instrument, das erlernt werden soll.
Wenn Yehudi Menuhin Recht hatte mit seiner Behauptung, der Mensch könne zur Not ohne Messer und Gabel essen, aber nicht ohne Musik leben (und ich ignoriere hier mal ganz bewusst den aufgeregten Zwischenruf, hier könne ja wohl nur „gute“ Musik gemeint sein), dann wäre doch zu wünschen, dass Musik und Musikmachen normale und alltägliche Bestandteile unseres Lebens wären. Für viele Kinder und Jugendliche trifft das ja auch durchaus zu – nur findet es oft jenseits der verschiedenen Formen der „professionellen“ Unterweisung statt. Und wenn man dem Jugendalter erstmal entwachsen ist, dann ist die Schwelle meist schon so hoch, dass man sich nicht mehr traut.
Wie kann es sein, dass wir es immer noch nicht geschafft haben, die Selbstverständlichkeit des alltäglichen Musikmachens wiederzuentdecken und wiederherzustellen? Das Wissen vom Musizieren als Lebensäußerung, als wichtiger Bestandteil der zwischenmenschlichen Kommunikation ist im Rausch der von Virtuosentum, Geniekult und immer komplexer werdenden Notentexten erzwungenen Professionalisierung zunehmend verschüttet. Immer noch wird in einem großen Teil des musikwissenschaftlichen und oft auch des musikpädagogische Schrifttums offen oder versteckt die Nase gerümpfte über die „Dilettanten“, die es auch ohne Musikdiplom wagen, Mozarts Streichquartette zu spielen.
Vielleicht wäre es der Ausweg, die leidige Trennung in „richtige“ und „falsche“, in „gute“ und „schlechte“, in „wertvolle“ und „wertlose“ Musik einfach aufzugeben. Dann mag für den einen Musik = große Kunst sein und bleiben - mit oder ohne die damit verbundenen elitären Assoziationen. Und für den anderen ist es einfach ein Stück Lebendigkeit und Lebensfreude. Und gerne darf beides auch mal zusammenfallen.
Meine Aufgabe als Instrumentallehrer sehe ich darin, für alle eine Grundlage zu schaffen, die es von einem bestimmten Punkt an jedem ermöglicht, den ihm eigenen Weg weiterzugehen: zum (semi-)professionellen Musiker oder zum fröhlichen Dilettanten. Sosehr Musik auch Kunst sein kann, so ist sie doch zunächst einmal Lebensäußerung und Ausdrucksmöglichkeit, "Balsam" für Körper und Seele.
Lernen funktioniert am besten durchs Mit-Machen. Und Musikmachen muss da keine Ausnahme sein. Der Mensch macht mit, macht nach, vollzieht sehend und hörend mit, probiert immer wieder, und wenn er Glück hat, wird er darin nicht gebremst durch von Hochkultur-Junkies geschaffene Anlässe zu Leistungsdruck, Lampenfieber und Prüfungsängsten, d.h. er bleibt befreit von mentalen und körperlichen Verspannungen. Neugierde und selbstgenügsame Freude bleiben erhalten. Die „Beherrschung“ eines Instrumentes z.B. ist dann zunächst keine Leistung sondern Bestandteil des alltäglichen Sich-Ausdrückens, des Sich-Mit-teilens. Ich freue mich immer, wenn ich merke, dass mir das durch meinen Unterricht gelingt. Und ich merke das daran, dass die erwachsenen Instrumentalschüler aufhören zu denken und zu spielen beginnen.
Ich stelle alle Noten auch als .xml - Datei ein. Wer ein Notensatzprogramm besitzt, kann sie also einlesen und transponieren, so dass auch andere Instrumenten-Kombinationen möglich sind. Es würde mich freuen, wenn die Stücke auch für andere Instrumente interessant sind.