Ruggiero Giovannelli (* um 1565 in Velletri; † 7. Januar 1625 in Rom) war ein italienischer Sänger, Kapellmeister und Komponist.
Er soll ein Schüler Palestrinas gewesen sein, Belege dafür liegen jedoch nicht vor. Nachdem er zuvor bereits an verschiedenen Kirchen als Kapellmeister tätig gewesen war, übertrug man ihm im Jahre 1594 als Nachfolger Palestrinas die Kapellmeisterstelle der Cappella Giulia am San Pietro, ab 1599 wirkte er als Sänger und Kapellmeister an der Capella Sistina. Er lebte und arbeitete in Rom bis zu seinem Tod im Jahre 1625. (Wikipedia)
Ruggiero Giovannelli profilierte sich zunächst als Komponist weltlicher Werke. Villanelle, Madrigale, Canzonette - das war seine Ausdruckswelt, hier wurde er innerhalb kürzester Zeit ein Star auf europäischer Bühne. Gassenhauer müssen seine Madrigale gewesen sein, meisterhaft beherrschte er die Klaviatur des Zeitgeschmacks. Selbst im fernen England wurde sein Werk als Vorbild leichter, moderner Madrigale genannt. Atemberaubend war auch seine Karriere in Rom. Bereits sein erstes Engagement führte ihn als Maestro di cappella an die französische Nationalkirche San Luigi dei Francesi, wo er mit der Aufgabe betraut wurde, aus einer kleinen, unbedeutenden Kapelle eines der profiliertesten Musikensembles in Rom zu entwicklen. Mit Bravour löste er diese Aufgabe und wurde - nach einer kurzen Zwischenstation am Collegium Germanicum - schließlich Nachfolger von Giovanni Pierluigi da Palestrina als Kapellmeister der Cappella Giulia an S. Pietro.
Gefördert von vielen Gönnern wurde ihm schließlich die höchste Ehre im Leben eines römischen Musikers zuteil: 1599 wurde er - auf Veranlassung des verantwortlichen Kardinals - Sänger (Tenor) der Cappella Sistina. Auch hier besaß er hohes Ansehen, war als musikalische Autorität unangefochten. Die Sänger konnten es gar nicht erwarten, ihn nach der festgelegten Schutzfrist von 15 Jahren - zu ihrem Kapellmeister zu wählen. Bereits ein Jahr vor Ablauf dieser Frist wurde versucht, ihn in dieses Amt zu holen, was aber am Einspruch des zuständigen Kardinals scheiterte. Und so mußte noch ein Jahr ins Land gehen, ehe das Sängerkollegium des Papstes am 14. Januar 1614 unter großem Jubelgeschrei und heftigen Umarmungen Ruggiero Giovannelli zu ihrem Maestro di cappella bestimmen durfte.
Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn als Musiker folgte jedoch der entscheidende Bruch in der Vita Giovannellis. Seine Amtsführung brachte die Sänger gegen ihn auf und bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt kam es zu einem offener Eklat. Seine Gegner unter der Führung des Sängers Paolo Facconio vertrieben ihn aus dem Amt. Facconio beschuldigte ihn, während seiner Zeit als Camerlegno, ein Amt, welches Giovannelli von 1610-1613 innehatte, ihm sein Gehalt nicht korrekt ausbezahlt zu haben. Am 27. April 1614 wurde eine Kommission einberufen, welche die Rechnungsbücher prüfen sollte. Das Ergebnis ihrer Prüfung verzeichnen die Diarien der Cappella Sistina nicht, bei der nächsten Wahl jedoch verlor Giovannelli sein Amt an seinen Herausforderer Paolo Facconio.
Obzwar Giovannelli im September 1615 nach dem Tod Facconios den Statuten gemäß nochmals für einige Monate die musikalsiche Leitung der Cappella Sistina übernahm, waren seine drei Versuche in den Jahren 1616, 1617 und 1622, nochmals zum Kapellmeister gewählt zu werden, nicht mehr von Erfolg gekrönt.
Auf den Tag genau nach 25 Jahren im Dienst der päpstlichen Kapelle - am 7. April 1624 - schied Giovannelli als sogenannter Giubilato aus dem Dienst aus. Wenige Monate später, am 7. Januar 1625, vermeldet das Diarium den Tod Ruggiero Giovannellis. Begraben wurde er auf dem Gelände des heutigen Vatikans, in Santa Marta dietro San Pietro. Der Ort läßt sich heute jedoch nicht mehr bestimmen, da diese Kirche Umbauten zum Opfer gefallen ist. (Christian Saalfrank)