Cyrill Kistler (* 12. März 1848 in Großaitingen, Schwaben; † 1. Januar 1907 in Bad Kissingen, Unterfranken) war ein deutscher Komponist, Musiktheoretiker, Musikpädagoge und Verleger.
Ab 1884 in Bad Kissingen tätig, gründete er eine eigene Musikschule und gab ab 1880 die Zeitschrift „Musikalische Tagesfragen. Organ für Musiker, Musikfreunde und Freunde der Wahrheit“ heraus. Mit krankheitsbedingten Unterbrechungen bestand diese Zeitschrift zwölf Jahre. Er komponierte Opern (z. B. „Baldurs Tod“, „Die Kleinstädter“, „Kunihild“, „Der Schmied von Kochel“ und „Eulenspiegel“), weltliche und geistliche Chöre, Lieder, Orgel- und Klavierstücke. Im Jahr 1904 erschien Kistlers Harmonielehre „Der einfache Kontrapunkt und die einfache Fuge“.
Durch seine Arbeit und die Komposition von mehr als 200 Werken erlangte Kistler zu seiner Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad. Als Kistler im Jahr 1889 in Würzburg seine „Eulenspiegel“-Oper uraufführte, fand Richard Strauss deren Text „unbeholfen“ und „erheiternd“. Er nahm Kistlers Oper zum Anlass, wenige Jahre später seine Tondichtung Till Eulenspiegels lustige Streiche zu komponieren. Richard Wagner bezeichnete seinen Freund Kistler als seinen einzig würdigen Nachfolger. Einer seiner Schüler war der Pianist Mieczysław Horszowski. Heute ist Kistlers Musik weitgehend vergessen.
Werke:
Musiktheoretische Schriften, 2. Auflage, Verlag C.F. Schmidt, Heilbronn 1898–1904.
Band 1: Harmonielehre.
Band 2: Der einfache Kontrapunkt. Der Dreisatz und Zweisatz. Die einfache Fuge. (System Rheinberger-Kistler.)
Band 3: Der doppelte Kontrapunkt, die Doppelfuge, die dreistimmige und zweistimmige Fuge.
Band 4: Der drei-, vier- und fünfstimmige Kontrapunkt. Höchste Kunst der Polyphonie. Die Fuge zu drei, vier und fünf Stimmen.
Drei Männerchöre op. 34 (Ständchen; Über Nacht; Jägers Leid). Neuausgabe 2016 Sonat-Verlag, Kleinmachnow
Festmarsch für großes Orchester op. 41
Große Fantasie für Konzertharmonium oder Orgel op. 77
Die Hexenküche (eine sinfonische Dichtung nach Goethes Faust) op. 130