Johannes Heringsdorf, auch Herringsdorf (* 4. Mai 1606 in Neuenkirchen (Melle); † 20. Februar 1665 in Paderborn) war ein deutscher Jesuit und Kirchenlieddichter. Er wuchs evangelisch auf und studierte in Herford und Hildesheim. Zur römisch-katholischen Kirche konvertiert trat er 1629 in Trier als Novize in die Gesellschaft Jesu ein. Er wurde zum Philosophiestudium nach Neuss geschickt und wirkte 1632/1633 als Lehrer in Hersfeld. Zurückgekehrt nach Trier, lernte er Friedrich Spee kennen. 1634 bis 1637 ging er zum Theologiestudium nach Köln. Für mehr als ein Jahrzehnt lehrte er ab 1641 an Jesuitenkollegien in Siegen, Neuss und Münstereifel, wo er auch als Bibliothekar und Chorleiter tätig war. In der Folgezeit wirkte er als Missionar im Bistum Osnabrück. Nach zwei Jahren in Paderborn (1657–1659) ging er nach Köln, wo er 1663/1664 als Seelsorger für die Gefängnisse und Krankenhäuser nachgewiesen ist, und kehrte dann nach Paderborn zurück.
Heringsdorf hat einen enorm hohen Stellenwert in der Geschichte der katholischen Kirchenmusik in Deutschland durch die Herausgabe seines 1633 erstmals erschienenen Gesangbuches „Psalteriolum cantionum catholicarum“ und dessen deutscher Version „Geistlich Psälterlein“. Beide erlebten zahlreiche Neuauflagen bis 1868. Verschiedene Lieder von Friedrich Spee wurden in ihnen erstmals gedruckt; in der Auflage von 1710 findet sich außerdem der früheste Druck von Veni, veni, Emmanuel.