Max Kalbeck (er schrieb auch unter dem Pseudonym „Jeremias Deutlich“) wurde 1861 Sängerknabe in Breslau unter Leopold Damrosch und 1867 Kirchensänger. Von 1860 bis zum Abitur im Jahre 1869 besuchte er das Gymnasium zu St. Maria Magdalena in seiner Heimatstadt. Auf Wunsch des Vaters studierte er anschließend Rechtswissenschaften in Breslau. Während seines Studiums wurde er 1869 Mitglied der Burschenschaft Arminia Breslau.[1] 1872 wechselte er an die Universität München, belegte dort die Fächer Philologie und Philosophie und studierte an der Königlich Bayerischen Musikschule bei Joseph Rheinberger (Komposition), bei Franz Wüllner (Chorgesang, Orchesterspiel Partiturlesen) und bei Josef Walter (Violine). Zurück in Breslau war er ab 1874 zunächst Kunst- und Musikkritiker bei der Schlesischen Zeitung, dann bei der Breslauer Zeitung und anschließend Direktionsassistent am Schlesischen Museum der Bildenden Künste in Breslau. 1880 kam Kalbeck auf Empfehlung von Eduard Hanslick nach Wien, zunächst als Kritiker bei der Wiener Allgemeinen Zeitung, der Presse (1883–1890) und von 1886 bis zu seinem Tode beim Neuen Wiener Tagblatt. Er wurde zu einem der einflussreichsten Kritiker in Österreich und war, wie Hanslick, ein heftiger Gegner der Musik von Richard Wagner, Anton Bruckner und Hugo Wolf, deren Werke damals der Neudeutschen Schule zugeordnet wurden.
Andererseits wurde Kalbeck, wiederum wie Hanslick, ein enger Freund und Parteigänger von Brahms, den er 1874 kennengelernt hatte. Als wichtigste Leistung gilt seine 1904 bis 1914 veröffentlichte umfangreiche Biographie dieses Komponisten, die bis heute eine wesentliche musikhistorische Quelle darstellt, ungeachtet einiger zeitgebundener Fehler und der teils sehr subjektiv gefärbten Darstellungen. Kalbeck veröffentlichte außerdem mehrere Bände des Brahms’schen Briefwechsels, daneben 1918 den Briefwechsel zwischen den Dichtern Gottfried Keller und Paul Heyse, weiterhin zwei Sammlungen eigener Kritiken.
Neben der Übersetzung von Opernlibretti insbesondere von Tschaikowski, Verdi, Puccini und Smetana verfasste Kalbeck neue Libretti u. a. für Mozarts Bastien und Bastienne und La Finta Giardiniera; weiterhin revidierte er für Gustav Mahlers Produktionen an der Wiener Hofoper diejenigen von Don Giovanni und Le Nozze di Figaro. Kalbeck steuerte außerdem Gedichte für die Lieder in der Operette Jabuka von Johann Strauss (Sohn) bei.