Carl Lafite war ein österreichischer Komponist, Organist, Chorleiter, Dirigent, Programmgestalter, Organisator, Musikpädagoge, Kritiker und Klavierbegleiter zum Liedgesang.
Carl Lafite, Sohn seines gleichnamigen Vaters, des Malers Carl Lafite (1830–1900), komponierte bereits 8-jährig eine Ritteroper. Frühe Anregungen erhielt er durch nachbarschaftliche Kontakte zu Eduard Strauß. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er 1889–93 am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Orgel und Klavier bei Anton Door sowie Komposition bei E. Robert, Johann Nepomuk Fuchs und Anton Bruckner. 1898 legte er die Staatsprüfung ab. Zuvor wirkte er in Olmütz (1894–96) als Lehrer der städtischen Musikschule für Orgel und Harmonielehre, wo er sogenannte „Schubertiaden“ veranstaltete. 1895 und 1897 konzertierte Lafite als Pianist mit dem Stargeiger František Ondříček, mit dem er Konzertreisen im Habsburgerreich und in Russland unternahm. Ab 1898 war er wieder in Wien.
Lafite war vielseitig tätig: als Organist (Piaristenkirche 1898–1910), als Musikpräfekt (K.K. Blindeninstitut 1898–01, Wiener Damenchorverein und Wiener Sängerbund ab 1900), als Chordirigent (Wiener Singakademie 1901–06 mit Schwerpunkt auf den großen Chorwerken der Wiener Klassik und der Frühromantik, zugleich Evangelischer Singverein, Wiener Sängerbund, für Franz Schalk 1910–12 Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien). Lafite lehrte Grundlagen-Theorie 1906 in der Musikschule Duesberg und war 1909 Mitbegründer des Neuen Wiener Konservatoriums. 1928 gestaltete er mit Otto Erich Deutsch die offiziellen Schubert-Feiern. Im selben Jahr gründete er als spezielle Einrichtung der Akademie für Musik Stilbildungskurse für künstlerische Klavierbegleitung, die er bis 1938 führte. 1911 wurde Lafite als Generalsekretär der Gesellschaft der Musikfreunde (vor deren Zentenarfeier 1912) berufen. Er lenkte deren Geschicke in stürmischer Zeit bis 1921 und wechselte zur Direktion, als deren Mitglied (bis 1938) er deren Chronik 1912–37 verfasste. In der Öffentlichkeit präsent war Lafite auch durch Musikbetrachtungen als Kritiker wie Feuilletonist der Zeitungen Wiener Allgemeine Zeitung ab 1908, Neue Freie Presse, Neues Wiener Tagblatt und Österreichische Volkszeitung bis 1937. 1912 wurde er Mitglied der Wiener Burschenschaft Aldania.