Friedrich Weißensee wurde um 1560 in Schwerstedt (Thüringen) geboren. Der genau Tag ist ebenso wenig zu ermitteln wie Ort und Umstände seiner musikalischen und theologischen Ausbildung. Um 1590 wurde er Rektor an der Lateinschule in Gebesee (Thüringen), bevor er um 1596 als Kantor an die altstädtische Lateinschule in Magdeburg berufen wurde. In dieser angesehenen Position war er Nachfolger solch berühmter Kantoren und Musiker wie Martin Agricola, Gallus Dressler und Leonhart Schröter. Einer seiner wichtigsten Schüler in Magdeburg war Daniel Friderici. 1602 ging Weißensee als Pfarrer nach Altenweddingen, wo er 1622 starb.
Friedrich Weißensee gilt als eine der profiliertesten Persönlichkeiten der protestantischen Kirchenmusik seiner Zeit. Seine Kompositionen zeigen hohes satztechnisches Können. Sein kompositorisches Hauptwerk, das Opus melicum, beinhaltet 72 lateinische und deutsche Motetten für vier bis zwölf Stimmen mit Instrumenten. Damit erweist sich Weißensee als ein hervorragender Vertreter des venezianischen Chorstils in der Art Adrian Willaerts und der beiden Gabrieli, deren Schüler er möglicherweise sogar gewesen ist. Den damals neuen Stil der venezianischen Mehrchörigkeit hat Weißensee in Magdeburg etabliert. Dabei sind – wie damals im Markusdom in Venedig üblich – die verschiedenen Klanggruppen in konzertierender Manier entweder miteinander angeordnet oder in alternierender Weise gegeneinander gestellt. Architektonische Kriterien des Raumes bestimmen den Einsatz, die Gruppierung und die Disposition der solistisch oder chorisch besetzten Klanggruppen (genauere Informationen zur venezianischen Mehrchörigkeit erhält man hier).
Der Musikforscher Samuel Kümmerle traf im Jahr 1895 folgendes Urteil über Weißensee: „So vermochte er zwar die volle Freiheit der polyphonen melodischen Führung der Stimmen, welche die Werke Leonhard Schröter’s und Hans Leo Haßler’s auszeichnet, nicht mehr ganz zu erreichen; aber in seinen achtstimmigen Sätzen im Florilegium Portense des Bodenschatz stellte er sich gleichwohl den besten Meistern unter seinen Zeitgenossen, einem Melchior Vulpius, Demantius und Andern würdig an die Seite“ (zit. nach Jacobs 1910).
Außer Liedmotetten schrieb Weißensee deutsche Spruchmotetten sowie achtstimmige motettisch-madrigaleske Gesänge, Gelegenheits- und Hochzeitsmusiken im Auftrag hochgestellter Persönlichkeiten.
Aus: Musikkoffer Sachsen-Anhalt