Matthaeus Pipelare (* um 1450; † um 1515) war ein franko-flämischer Komponist und Chormeister der Renaissance. Sichere Informationen über seinen Lebenslauf sind insgesamt sehr spärlich. Musikhistoriker vermuten, dass er aus Löwen stammen könnte, doch gibt es dafür (noch) keine Belege. Aus den Rechnungsbüchern seiner späteren Anstellung geht hervor, dass er, aus Antwerpen kommend, am 14. März 1498 seinen Dienst in der Illustre Lieve Vrouwe Broederschap (Marienbruderschaft) in ‘s-Hertogenbosch antrat und in dieser Stellung bis 30. April 1500 gewirkt hat.
Gewisse Kompositionsmerkmale bei Pipelares Messen entsprechen der Epoche nach Antoine Busnoys (Jacob Obrecht, Josquin, Pierre de la Rue und andere) mit konservativen, nicht italienisch beeinflussten Stilmerkmalen. Die Chansons von Matthaeus Pipelare entsprechen dem homophonen Stil der weltlichen Musik, wie er zwischen 1490 und 1510 üblich war; eine feste Form hat beispielsweise nur die französische Chanson „Ballade Vray dieu d’amours“.
Die meisten Werke Pipelares fanden keine große Verbreitung; eine beachtliche Ausnahme davon waren die Messe „L’homme armé“ sowie Messe und Chanson (2. Fassung) über „Fors seulement“, die in bis zu 13 Exemplaren überliefert sind und bis in die 1530er Jahre aufgeführt wurden. Erwähnt wurde Pipelare vor allem von dem Musiktheoretiker Andreas Ornitoparchus (um 1490 – um 1517) in seiner Schrift Musicae activae micrologus (Leipzig 1517), in der er ihn einen der sieben außergewöhnlich fähigen Komponisten nennt, deren Werke „aus dem Springquell der Künste geflossen sind“.