Caspar Textorius (um 1580‒vor 1633)
Der um 1580 geborene Instrumentalist und Komponist Caspar Textorius entstammt wahrscheinlich der Gudensberger
Ratsherrenfamilie Weber. Über seine Ausbildung ist nichts Näheres bekannt, jedoch gibt es Hinweise auf eine höhere
Schulbildung und einen gründlichen musikalischen Unterricht auf mehreren Instrumenten, vermutlich um 1598 in
Kassel. Um 1605 ist Textorius als Kopist musikalischer Werke im Umfeld der Kasseler Hofkapelle nachweisbar;
Kontakte zu Heinrich Schütz in dieser Zeit sind wahrscheinlich, wenngleich nicht belegt. Ab etwa 1607 ist Textorius als
Hofmusiker am Hof des Grafen Ernst von Holstein-Schaumburg 1622) (1569 in Bückeburg angestellt, wo er vor 1633 ‒
verstarb. Textorius’ überlieferte Kompositionen, vorwiegend geistliche Musik, passen in den Stil instrumental-vokalen
Komponierens zu Beginn des 17. Jahrhunderts, wenn sie auch nicht die Qualität der Musik seiner Zeitgenossen Heinrich
Schütz oder Michael Praetorius erreichen. (Zitiert nach: Aumüller, Gerhard: Ein „vergessener“ Gudensberger Komponist. Caspar Textorius ‒ Leben und Werk. ‒ In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 68 (2018) S. 98.) 69‒
Bisher nicht geklärt ist Textorius’ Verbindung zum reichsgräflichen Hof Bentheim-Tecklenburg, jedoch lässt die
aufwendige Ausstattung des Corollarium cantionum sacrarum sowie die persönlich anmutende Widmung an Graf Adolf
(1577 eine nähere Beziehung vermuten. Erhärtet wird dies durch die ebenfalls in der Musikbibliothek Rheda ‒1623)
aufbewahrte, wahrscheinlich gleichfalls autographe Sammlung von 28 durch Textorius im Jahr 1610 fünfstimmig
gesetzten lutherischen Chorälen (Signatur: Ms 805).
Burkard Rosenberger und Harald Schäfer
Universitäts- und Landesbibliothek Münster, 2019. Edition Papier.Klänge, Heft 32