Jean Guyot (Joan, Johannes /Castileti, de Châtelet; * um 1512 in Châtelet (nahe Lüttich, heutiges Belgien); † 11. März 1588 in Lüttich) war ein franko-flämischer Koponist der Renaissance. Er studierte ab 1534 an der Universität Löwen und erlangte dort 1537 den Abschluss des Magister artium. Zudem schlug er die Priesterlaufbahn ein. Er wirkte langjährig als Kaplan und Kapellmeister (Maître de chant) an verschiedenen Kirchen in Lüttich, darunter der St.-Pauls-Kirche und der Kathedrale St. Lambert. Im Jahr 1563 zog es ihn nach Wien, wo er als Nachfolger von Pieter Maessins die Leitung der renommierten Hofkapelle von Kaiser Ferdinand I. übernahm. Nach dem Tod des Kaisers im Jahr 1564 kehrte er nach Lüttich zurück, wo er 25 Jahre lang die Dommusik leitete.
Seine Musik steht in der Tradition der franko-flämischen Polyphonie der Generation nach Josquin des Prez. Seine Werke zeichnen sich durch dichte, komplexe und vielstimmige Sätze (häufig 6- bis 12-stimmig) aus, die oft sehr klangvoll und von enger Imitation geprägt sind. Sein überliefertes Schaffen umfasst geistliche wie weltliche Vokalmusik, darunter 26 Motetten, eine Messe sowie ein Te Deum, 16 weltliche Chansons.