Jean Louis Nicodé (* 12. Juni 1853 in Jersitz (Landkreis Posen); † 14. Oktober 1919 in Langebrück) war ein deutscher Komponist, Dirigent, Pianist und Musikpädagoge.
Nicodé war der Sohn eines Geigers und Musiklehrers, der einem französischem Hugenottengeschlecht entstammte. Die Familie zog wegen eines "Missgeschicks"[1] nach Berlin. Sein Vater erkannte und förderte das Talent Nicodés. Später bekam er dann Privatunterricht von dem Organisten Hartkaes. Als Schüler trat Nicodé 1869 in die Neue Akademie der Tonkunst ein. Vom Direktor Theodor Kullak erhielt er Klavierunterricht, Richard Wurst und Friedrich Kiel führten ihn in die Theorie und die Kompositionslehre ein. Als "gewiefter Pianist und Kontrapunktiker"[1] verließ er die Akademie und erhielt bald die Gelegenheit, sein Können in Berlin vorzuführen.
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er 1878 auf einer Konzertreise mit der Sopranistin Désirée Artôt de Padilla durch Galizien und Rumänien bekannt, die ihm im gleichen Jahr die Anstellung als erster Lehrer am Königlichen Konservatorium in Dresden verschaffte. Unter der Leitung von Franz Wüllner arbeitete er dort bis 1885 und ging dann wegen inhaltlicher Streitigkeiten mit der Konservatoriumsleitung im November nach Berlin. Dorthin hatte ihn Hermann Wolff als Künstlerischen Leiter der Philharmonischen Konzerte geholte. Bald kehrte er jedoch nach Dresden zurück und übernahm als Dirigent die Leitung der dortigen Philharmonischen Konzerte. Bereits 1888 legte er diese Stelle nieder, um sich der Komposition zu widmen.
Nach fünf Jahren - 1893 - kehrte er wieder in seinen Dirigentenposten zurück. Im Jahr 1900 ließ er sich im Dresdner Villenvorort Langebrück nieder, wo er bis zu seinem Tode in der Albertstr. 27 (heute Nicodéstr. 11) lebte. Dort schrieb er in fünfeinhalbjähriger Arbeit auch sein Hauptwerk - die Sinfonie Gloria!. Kurz vorm seinem Tod wurde Nicodé 1918 zum Professor für Musik und 1919 zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin ernannt.
Die Harmonik Nicodés ist "kühn und großartig, seine kontrapunktische Meisterschaft imposant, seine Orchestration poetische, dramatisch und von besonderer Schönheit und Eigenart des Kolorits." Ferdinand Pohl nach einer Aufführung der Symphonischen Variationen (op. 27) im Leipziger Gewandhaus 1892.