Marnix, Philips van, Heer van St. Aldegonde, niederländischer Staatsmann und Dichter. P. v. M. war wohl für den geistlichen Stand bestimmt. Er studierte u. a. in Löwen und Paris und wurde 1557 Domherr in Thérouanne. Weitere Studien führten ihn nach Frankreich, wo er in Dôle unter den Einfluß der Hugenotten und des schottischen Humanisten und Kalvinisten George Buchanan kam. 1560-61 studierte P. v. M. in Genf an der neuen kalvinistischen Universität.
Bis 1565 führte er ein Wanderleben »um des Glaubens willen«, bis er sich in Breda niederlassen konnte. Dort spielte er eine wichtige Rolle in der kalvinistischen Bewegung, wo er zur dogmatischen Strömung gehörte. Er war z.B. einer der wenigen, die den sog. Bildersturm von 1566 guthießen (allerdings wurde nur eine französische Fassung seiner diesbezüglichen Schrift 1567 veröffentlicht). Auch im Aufstand gegen Spanien gehörte P. v. M., zusammen mit seinem Bruder Jan (1567 im Kampf gefallen), zu den führenden Kräften, weshalb er 1568 nach Deutschland ins Exil mußte. Dort vollendete er sein berühmtestes Werk: »Den Byencorf der Hl. Roomsche Kercke« (1569).
Er wurde 1573 Militärgouverneur von Delft, Rotterdam und Schieland, wobei er wenig erfolgreich war. 1573 wurde er gefangen genommen und versuchte zwischen Wilhelm von Oranien und König Philipp zu vermitteln. Nachdem er 1574 ausgetauscht worden war, arbeitete er als Diplomat und als Sekretär Wilhelms des Verschwiegenen. Dabei war er das Verbindungsglied zwischen den dogmatischen Kalvinisten und Wilhelm.
1577 wurde P. v. M. Mitglied des Staatsrates. Nach Abschwörung von Philipp II. wurde Herzog Franz von Anjou als Landesherr gewählt, für den sich P. v. M. stark einsetzte. Als das zu einer Enttäuschung führte, zog sich P. v. M. auf sein Schloß West-Souburg zurück. 1583 wurde er zum Bürgermeister von Antwerpen ernannt. Während der Belagerung durch die Spanier 1584-85 tat er sich sehr hervor und dank seiner Verhandlungstechnik gelang es, günstige Bedingungen bei der Übergabe der Stadt zu erlangen. Er wurde jedoch Verräter gescholten und zog sich erbittert zurück auf sein Schloß, wo er sich theologischen und botanischen Studien widmete.
Nach 1590 wurde er von neuem diplomatisch tätig. Weiter bekam er den Auftrag, die Bibel ins Niederländische zu übersetzen, was aber in den Anfängen stecken geblieben ist.
Die Bedeutung von P. v. M. liegt nicht so sehr in seinen theologischen Schriften, die orthodox kalvinistisch sind, ohne viel eigene Gedanken. Es ist vor allem seine Übersetzung der Psalmen (»Het Boeck der Psalmen Davids«, 1580, neu bearbeitet 1591) und seine Geusenlieder, die ihn zu einem der wichtigsten Dichter des Freiheitkampfes machen.
Er gilt außerdem als Verf. des niederländischen Nationalhymnus »Wilhelmus«.