Lachenmann, Helmut: TemA
temA dürfte trotz Ligetis Aventures eine der ersten Kompositionen sein, in denen das Atmen als akustisch vermittelter energetischer Vorgang thematisiert wurde (Holliger, Globokar, Kagel, Schnebel, Stockhausen schon in den Hymnen, widmeten sich unabhängig voneinander und jeweils unter anderer Perspektive demselben Phänomen). temA markiert außerdem für mich den ersten Schritt hin zu jener Musique concrète instrumentale, in welcher die mechanischen Bedingungen bei der Klangerzeugung in die Komposition mit einbezogen sind und welche später in Kontrakadenz, Air, Pression usw. noch konsequenter mein Schaffen prägen sollte. Naturalistische Grenzsituationen wurden in temA, anders als in meinen früheren Werken, bewußt akzeptiert, aber zugleich in einen streng musikalisch konstruierten Zusammenhang integriert, der so auch den traditionellen Spielaktionen neue Bedeutung geben sollte. Die Tabu-Verletzung, wie sie in den frühen siebziger Jahren, nicht nur bei diesem Stück, empfunden wurde, hatte weniger ihre Ursache im Phänomen der Klangverformung (Schnarchen, gepreßte Saiten, tonloses Blasen usw.), denn solche Verfremdung wurde als humoristisches, dadaistisches oder expressionistisches Element durchaus toleriert. Der Schock hatte seine Ursache vielmehr in der satztechnischen Logik, welche die bloß surrealistische Wirkung relativierte und nicht Spaß, sondern Ernst machte. (Helmut Lachenmann, 1983)
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Flöte, Gesang (Mezzosopran) und Violoncello
979-0-004-18936-8
9790004189368
EB 9459
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