aus Metzlers Musiklexikon 4.0:
THOMAS, Charles Louis Ambroise, *5.8.1811 Metz, †12.2.1896 Paris; frz. Komponist. Er studierte bei Fr. Kalkbrenner (Klavier) und J.-Fr. Le Sueur am Pariser Conservatoire und erhielt für seine Kantate Hermann et Ketty 1832 den Prix de Rome. 1836 nach Paris zurückgekehrt, spielte er als Violinist am Théâtre des Vaudevilles. Seit 1837 trat er, zunächst mit mäßigem Erfolg, als Opernkomponist hervor, gewann aber seit Le Caïd (1849) zunehmend an Ansehen, wurde 1851 Mitglied der Académie des Beaux-Arts und 1852 Lehrer am Conservatoire, das er nach D. Fr. E. Aubers Tod 1871—96 leitete.
Werke: 20 Opern, meist Opéras-comiques, darunter (UA in Paris): Le carnaval de Venise (1857) · Mignon (Libr.: J. Barbier u. M. Carré nach J.W. von Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre) (1866) · Hamlet (Libr.: dies. nach W. Shakespeare) (1868) · Françoise de Rimini (Libr.: dies. nach Dante) (1882). — Ballette: La gypsy (1839) · La tempête (nach Shakespeare) (1869). — Ferner kirchenmusikal. Werke, Klv.-Lieder u. -Romanzen, Stücke für Klv. u. für Org., einige Kammermusik- u. Orch.-Werke.
Th.' Ruhm und seine Ausstrahlung weit über Frankreich hinaus und seine eigentümliche Stellung in der neueren Operngeschichte beruht vor allem auf Mignon (mit 1000 Aufführungen innerhalb von 28 Jahren allein an der Pariser Opéra-Comique) und Hamlet. Mit diesen Werken setzte er die von Ch. Gounod eingeleitete musikalische Popularisierung von Goethe- und Shakespeare-Stoffen (Faust/Margarethe, Roméo et Juliette) in Form von »lyrischen« Opern fort. Obwohl häufig kritisiert, hat gerade Mignon dank der eingängigen, oft sentimentalen Melodik von großer Kantabilität bis heute nicht an Wirkungskraft verloren.