Johannes Sieß oder Sies (* nach 1460; † nach 1521) war ein Kapellmeister, Sänger und Komponist der Renaissance. Seine Lebensdaten sind weitgehend unbekannt, einige Quellen geben ihn als gebürtig aus Österreich an. Sieß‘ Wirkungsgebiet umfasste Bayern, Montbéliard, Österreich, Straßburg, Tübingen und letztendlich Stuttgart. Als Sänger in der württembergischen Hofkapelle Stuttgart wird er erstmalig 1507 erwähnt. Im Mai 1519 immatrikulierte er sich als Komponist an der Universität Tübingen. Seine Spur verliert sich 1521 als Hofkapellmeister bei Herzog Ulrich in Stuttgart.
Von seinen Kompositionen haben sich nur vier deutsche vierstimmige Lieder in Peter Schöffer's (des Jüngeren [1475-1547]) Liederbuch von 1513 erhalten und sind die einzigen Zeugen seiner Tätigkeit. Es sind vier Liebeslieder: 1. „Mich hat gros leid umbgeben." 2. „Ach lieb, was zeichstu mich". 3. „Ich schweig und las versausen das." 4. „Wer sah dich für ein solche an.“ Die Melodie liegt jeweils im Tenor.